Chronik

Nach den Erzählungen ältester Einwohner wird der Karneval in Bergrath schon weit über 100 Jahre gefeiert. An den Karnevalstagen tollte Alt und Jung, fantasievoll kostümiert und maskiert, durch die Straße, Säle und Gaststätten. „Sparsam“, wie man früher war, wurden die Kostüme  sorgfältig aufgehoben, um sie möglichst viele Jahre tragen zu können. Bei allen Veranstaltungen war es „Pflicht“ für jeden Besucher, zum mindesten eine karnevalistische Kopfbedeckung zu tragen.

Im Jahre 1884 kam in Bergrath erstmalig ein Karnevalszug zustande. Der Reichstag debattierte gerade über das Invaliditätsgesetz. Dieses Thema war Motto für den Hauptwagen. Eine kleine Gruppe „Wohlgenährter“, bevölkerte den Wagen und tat sich an imitierten Würsten, Schinken, Broten und Getränken gütlich, während ein großer Teil des Fußvolkes in blauen Kitteln, als Invaliden deutlich erkennbar, hinter dem Wagen herlief und sehnsüchtig zu all den Herrlichkeiten aufblickte. Dieser Umzug und auch die Karnevalszüge der nächsten Jahre wurden vom altenMänner-Gesangverein durchgeführt. Als Bergrath eine eigene Pfarrkirche erhielt,entstand aus diesem Gesangsverein der Kirchenchor. Vereinslokal war die damalige Wirtschaft Corsten in der Heibachstraße.

Im Jahre 1885 und in den folgenden Jahren reihte sich der Bergrather Umzug in den Rosenmontagszug ein, der durch die Straßen der  Innenstadt zog. Für die Karnevalstage des Jahres 1896 war von den Behörden ein amtlicher Maskenkarten-Verkauf angeordnet worden. Als nun der damals in Eschweiler als besonders dienstlich bekannte Polizeikommissar Hahnenbruch „om Grav“ (Grabenstraße)  die kostümierten Bergrather Turnbrüder kontrollierte, packten diese ihre mitgebrachten Säcke aus, um die Karte zu suchen. Der Inhalt der Säcke und Taschen muß so umfangreich gewesen sein, daß vom gleichen Tage an keine Ausweise mehr erforderlich waren.

Um 1900 herum bildete sich in der damaligen Wirtschaft Meier (später „Jägerhof“) ein karnevalistischer Intrumentalverein, dessen starke Kapelle während der Umzüge in den folgenden Jahren die von den Zugteilnehmern gesungenen Lieder auf Pappinstrumenten „begleitete“. Im Jahre 1904 organisierte der im Restaurant Heim, Antoniusstraße, tagende Junggesellenverein die Kappensitzung und Umzüge. Im Eschweiler Rosenmontagszug errang dieser Junggesellenverein den 1. Preis. Die Teilnehmer am Zug trugen eine einheitliche Uniform, der 1884 gegründete Turnverein Bergraths bildete eine große Clowngruppe. In den folgenden Jahren zeichneten die Theater-Gesellschaft „Fröhlichkeit“ und der Bürgerverein für die Karnevalsveranstaltungen in Bergrath verantwortlich.

Im Jahre 1914 stellte der Bürgerverein für Bergrath sogar einen Prinz Karneval.
Es war Heinrich Schmitz (Hastenrather Weg).

1. Prinz Carneval in Bergrath – Heinrich Schmitz (1914)

Präsident war Arnold Beckers, Feldwebel Josef Göbbels. Finanziert wurden die Veranstaltungen in der Weise, dass einige Mitglieder bis Karneval mehrere Schweine mästeten, die dann verkauft wurden. Das Eintrittsgeld zu den einzelnen Veranstaltungen betrug einen Groschen. Für jeden Saalbesuchergab es ein Glas Bier gratis. Alle damals bestehenden Ortsvereine beteiligten sich in ideeller Weise an dem Zustandekommen der Veranstaltungen.

Im August 1914 begann der 1. Weltkrieg, dessen Härte alle Freudenbekundungen untergrub. Während der Kriegsjahre und in den Jahren der Besatzungszeit (Ausgangssperre usw.) blieb es, was den Karneval betraf, still in Bergrath.

In der Karnevalszeit 1930 fand erstmalig wieder ein Bunter Abend statt, der von der Theater-Abteilung des damaligen kath. Jungmänner-Vereins in Verbindung mit dem Kirchenchor veranstaltet wurde. Regie führte Josef Kronen. Als 1934/35 durch den Nationalsozialismus die  außerkirchliche Tätigkeit der katholischen Vereine weitgehend eingeschränkt bzw. ganz verboten wurde, führte die Theater-Gesellschaft „Fröhlichkeit“ die Veranstaltungen durch.

Im Jahre 1937 wurde die KG „Fidele Bergrather“ gegründet. Ihr Präsident erlebte leider das erste Auftreten der Gesellschaft nicht mehr, da er am 31.12.1937 starb. Die 1. Sitzung leitete Peter Brill. Vorsitzender war Fritz Schuster, Kommandant Gerhard Schuster, Hauptmann Willi Jumpertz, Mariechen Anni Münstermann.

Im Rosenmontagszug des Jahres 1939 trugen die Mitglieder der Gesellschaft eine eigene Uniform. Die letzte Veranstaltung vor dem 2. Weltkrieg – ein gemütlicher Abend bei Friebe – fand Silvester 1939 im Beisein einer Anzahl der damals einquartierten Soldaten statt.

Während die „Fidelen“ ihr Vereinslokal bei Friebe hatten, zog die ebenfalls 1937 gegründete KG „Elf Piefe“ bei Gradel (Jägerhof) ihre  Veranstaltung auf. Vorsitzender war Mattjö Zimmermann. Im zur Seite standen Kaspar Falkenberg, Peter Stüber und Josef Schuster. Auch diese Gesellschaft musste Anfang 1940 unter dem Zwang der Verhältnisse ihre Tätigkeit einstellen.

Als der Krieg im Mai 1945 zu Ende ging, schien jeder Keim geselligen Lebens unter dem Vorrang der seelischen und leiblichen Sorge des Einzelnen erstickt. Beklagte doch fast jede Familie einen Toten oder Vermissten oder den Verlust von Haus und Habe.

Langsam aber stetig normalisierte der ungeheure Wille zum Leben die Verhältnisse wieder. So fanden denn auch an den Karnevalstagen des Jahres 1946 die ersten  kleinen Veranstaltungen statt. Die dafür erforderlichen Getränke wurden aus der „eigenen Brennerei“ mitgebracht. In dieser Zeit lernte man, auf Schleichwegen nach Hause zu gehen, da die Straßensperre der Militär-Regierung auch für Karnevalsvergnügen keine Sondererlaubnis vorsah. Am Fastnachtssamstag des Jahres 1947 zog der damals in Bergrath bestehende Tischtennis-Club “ Teutonia“ im Restaurant Porschen (am Schacht) für seine Mitglieder und deren Angehörigen einen bunten Abend auf. An den übrigen Tagen waren Karnevalsbälle im „Jägerhof“. Langsam lebte das Interesse für den Karneval wieder auf.

Im Sommer 1947 rührte sich bei vielen jungen Bergrathern der Gedanke, eine Karnevalsgesellschaft zu gründen. Dieser Wunsch zog im Laufe der nächsten Monate immer größere Kreise, und für den 27.Oktober 1947, einem Sonntag, wurden alle karnevalsfreudigen Einwohner aus Bergrath in den „Jägerhof“ eingeladen. Laut Versammlungsbericht konnten die Einberufer – Josef Hermanns und Jakob Peters – eine große Anzahl Karnevalsfreunde, darunter auch zahlreiche Mitglieder der beiden Vorkriegs-Gesellschaften „Fidele Bergrather“ und „Elf Piefe“ begrüßen.
Als erster Präsident wurde Josef Kronen gewählt. Im zur Seite standen als Vizepräsident Josef Hermanns I, Josef Kleinen als 1. Zahlmeister, Arnold Öbels als 2. Zahlmeister. Als 1. Sekretär wurde Mathias Weißkirchen, Josef Hermanns II als 2. Sekretär gewählt.

In der ersten Vollversammlung am 5. November 1947 lösten sich die beiden Vorkriegsgesellschaften auf und sprachen ihr Vermögen der neuen Gesellschaft zu, der man den Namen: „KG Prinzengilde 1947 Eschweiler-Bergrath“ gab.

Das meistgesungene Lied auf dem ersten Herrenabend war der „Marsch der Prinzengilde“ (Text Josef Hermann I; Musik: Werner Herzog).

„Wir sind Prinz Karnevals Elan, die fesche Prinzengild´.
Sind Bergraths lust´ge Narrscharm führ´n Frohsinn nur im Schild.
Wir küssen hübsche Mägdelein so innig, fein und zart –
und jede will dann unser sein; ja, dann sind wir in Fahrt.“

Nach diesem Abend begann für den jungen Generalstab eine Zeit mühevoller Kleinarbeit. Da 1947 Material für die Dekoration des großen „Jägerhof“-Saales fast noch schwerer zu beschaffen war als Speck und Butter, entschloss man sich zur Durchführung einer Altpapier-Sammlung. Die ganze Dekoration wurde aus diesem Papier in Heimarbeit hergestellt. Eine Anzahl Mitglieder stellte aus der eigenen Wohnung Glühlampen und Fassungen zur Beleuchtung des Saales zur Verfügung. Die erste große Veranstaltung fand Silvester 1947 statt. Der Saal, war allen Schwierigkeiten zum Trotz, eine wahre Narhalla. Aus dem bunten Reigen der Darbietungen sei die Neujahrsüberraschung besonders hervorgehoben. Angehörige des Generalstabes trugen eine große Glocke in den Saal, die genau um 12 Uhr zur Decke schwebte, sich oben öffnete und das erste Mariechen der Prinzengilde, Thea Schmitz, in der ersten Uniform der Gesellschaft zeigte.

In der darauffolgenden Zeit wurden Damensitzungen, der Ball an Weiberfastnacht, der Prinzenball und der Rosenball veranstaltet. 1948 kührte die Prinzengilde ihren ersten Prinz, es war Joe I (Josef Kleinen).

Beim Silvesterball 1948 stellte sich Prinz Lambert I (Lambert Bongartz) seinen närrischen Untertanen vor und enthüllte als erste Amtshandlung die neue Standarte.

Die Silversterfeier 1949 fand unter dem Motto „Nacht der 1000 Lampions“ statt. Prinz Walter I (Walter Poick) und das neue Mariechen Gisela Balg stellten sich vor.

1950 stand die Silvesterfeier unter dem Motto “ Eine Reise um die Welt“. Genau um 24 Uhr sprang seine Tollität Prinz Franz I (Franz Schmitz)
aus einem riesigen Stern unter sein närrisches Volk.

„Schlagerparade“ war das Motto zu Silvester 1951. In diesem Jahr stellte die Prinzengilde keinen neuen Prinzen mehr, da erstmalig wieder ein Eschweiler Karnevalsprinz gekürt wurde. Im Dezember 1951 trat die Prinzengilde dem Eschweiler Karnevals-Komitee bei. In den folgenden Jahren waren bei den Veranstaltungen in Bergrath die jeweiligen Tollitäten der Stadt Eschweiler zu Gast.

Seit Gründung der Prinzengilde war es der Wunsch vieler, einen eigenen Spielmannszug zu haben. Im Mai 1951 begannen Josef Emonds und Franz Hermanns mit der Anwerbung von Spielleuten. Im September konnte die erste Probe abgehalten werden. Die ersten Instrumente beschaffte die Gesellschaft und die  Mitglieder spendeten die Flöten. Zur Jahreswende 1951/52 stellte sich der junge Spielmannszug auf dem Silversterball der Prinzengilde erstmalig in der Öffentlichkeit vor.

Der Spielmannszug zählte im Jahr des 11jährigen Bestehens 1957/58 insgesamt
17 Spielleute. Auf dem Foto zu sehen vorne: Gerhard Krause“de Tröt“, Hans Wipperfürth „de Bratsch“, Hans Bolz „Viekant“, Josef Emonds „de Flöt“, Franz Hanf „Bierche“, Peter Deußen „dr Griemele“
mittlere: Lothar Adolphs „dr Flüschop“. Korpsführer Peter Vröls „Kües“, Josef Hanf „et Jöckelche“, Willi Schmitz „de Tromm“, Heinz Emonds „Posbühl“
hinten: Josef Jakobs „et Döppche“, Bernhard Quadflieg „gespannte Bütt“, Georg Hanf „Amibütt“

Im Dezember 1953 trat die Prinzengilde dem Bund Deutscher Karneval bei.

Am 11.11.1954 führte der Kommandant Willy Jumpertz den neuen Präsidenten Hans Lynen in sein Amt ein und überreichte ihm als äußeres Zeichen seiner Würde die Präsidentenmütze. Als neues Mariechen stellte sich Anneliese Heck mit viel Charme vor. Erwähnt sei noch, dass Michael Uth in dieser Session der Gesellschaft den Marsch: „Prinzengilde, ein lustig Narrenkorps“ widmete.

Zu erwähnen ist, daß die Prinzengilde zu dieser Zeit in einem der farbenprächtigsten Säle des ganzen Stadtgebiets ihre Sitzungen abhielt.

Der Höhepunkt der Session 1957/58 bildete die Jubiläumssitzung am 11.01.1958 anlässlich des 11jährigen Bestehens der Prinzengilde. Aus diesem Anlaß wurden die 33 Gründer der KG allen voran Josef Hermanns und Jakob Peters geehrt. Am Samstagabend zogen nach dem Umzug durch Bergrath die Abordnungen aller Eschweiler Gesellschaften mit ihren Standarten, Präsidenten und Tanzpaaren in die herrlich dekorierte Narhalla der Prinzengilde ein. Nachdem sich der nicht endenwollende Beifall der über 700 Besucher ob des farbenprächtigen Einmarsches dann gelegt hatte, begrüßte der Präsident die Ehrengäste Bürgermeister Gruhn, Stadtdirektor Sperlich und Pfarrer Rindermann.

Die drei folgenden Bilder zeigen das Uniformiertencorps beim 11jährigen Jubiläum 1957/58:

I. Zug
1. Reihe: Leutnant Josef Hermanns „Noch E“, Gildist Günther Spies „Blezzang“, Gildist Willi Weißkirchen „Strippche“, Gildist Peter Burlet „Schrüffge“, Korporal Fritz Wipperfürth „Hämmerche“
2. Reihe: Gefreiter Mathias Hahn „Hahne Ru“, Gildist Heinrich Hutmacher „dr Drüe“, Gildist Peter Mohr „Lütlamp“, Gildist Hubert Schloßmacher „Maiblömche“
II. Zug
1. Reihe: Leutnant Franz Gandelheidt „Kratznohl“, Gefreiter Heinz Schuster „Hubbelspien“, Korporal Mathias Kessel „de Weich“, Gildist Toni Olef „Sandmännche“, Fähnrich Heinz Michaelis „Schweßdroht“, Gefreiter Jakob Münstermann „Böhrche“
2. Reihe: Gildist Peter Spies „Schruffstock“, Gildist Paul Krause „Krüll“, Gildist Peter Schmitz „Grilächer“
III. Zug
stehend: Leutnant Heinz Sparla „Zwei Zoll“, Korporal Toni Jöris „Pliesterlätzge“ Obergefreiter Johann Engels „Bumm“, Gildist Lambert Wiesen „dr Selde“, Gildist Hans Bischof „Pöatzge“
knieend: Gildist Winfried Maus „Modellche“, Gildist Heinz Müller „Zögsje“



Die Chronik bis 2006 wird demnächst erweitert …


Die Präsidenten der Gesellschaft
1947 – 1954     Josef Kronen
1954 – 1963     Hans Lynen
1963 – 1969     Willi Jumpertz
1969 – 1984     Franz Gandelheidt
1984 – 2001     Peter Flohr
ab 2001           Günter Spitz

Die Vorsitzenden der Gesellschaft
seit 1963 („Wiederbelebung“)

1963 – 1967     Franz Hermanns
1967 – 1984     Josef Schuster
1984 – 1985     Theo Engels
1985 – 1986     Josef Schuster
1986 – 1993     Ralf Boltz
1993 – 2001     Rudolf Kaul
2001 – 2004     Fritz Karaszkiewicz
2004 – 2010     Michael Schröder
Seit 2010         Michael Scholl